Konzeption

service e.V.
Sex Workers Rights International

Ausgangsbasis

Im Mai 2004 haben Prostituierte, ehemalige Prostituierte und Frauen aus anderen Berufen den gemeinnützigen Verein service e.V. – Sex Workers Rights International in Nürnberg gegründet um sich für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation von migrierten SexarbeiterInnen einzusetzen.
Prostituierte befinden sich derzeit im europäischen Kontext in einer besonderen Situation. In den meisten Ländern ist Prostitution legal. SexarbeiterInnen werden aber marginalisiert, stigmatisiert und sind in der Praxis häufig strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt. MigrantInnen sind zudem durch ausländerrechtliche Sonderregelungen eingeschränkt.
Die langjährige Erfahrung in der (Zusammen)arbeit mit Prostituierten und deren Netzwerken, führte zu dem Entschluss, ein eigenständiges, an den Bedürfnissen migrierter SexarbeiterInnen orientiertes Angebot im süddeutschen Raum zu etablieren.

Der Großraum Nürnberg befindet sich unweit der Grenze zu Tschechien. Aufgrund dieser geographischen Lage und wegen seiner Entwicklung zu einer wichtigen Metropolregion im Raum Süddeutschland spielt er vor allem vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung eine bedeutende Rolle bei Migrationsprozessen.


Zielsetzung
service e.V. will mit seinen Dienstleistungsangeboten für migrierte SexarbeiterInnen dazu beitragen, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen im internationalen Kontext zu verbessern und deren Gesundheit, Sicherheit, BürgerInnen- und Menschenrechte zu fördern.
service e.V. ist ein lokales Projekt, das in Zusammenarbeit mit (migrierten) SexarbeiterInnen aktive Vernetzung, praktische Intervention, Prävention und Forschung miteinander verbindet.
Die Akzeptanz und Toleranz von Sexarbeit ist selbstverständliche Grundlage für sämtliche Handlungsstrategien.


Im Einzelnen heißt dies:

- STI-Prävention und Gesundheitsbildung
- Prävention von Gewalt und Ausbeutung
- Empowerment
- Interessenvertretung und Information der Öffentlichkeit
- Information/Beratung/Begleitung bei prostitutions- bzw. migrationsspezifischen Problemen
- projektbegleitende Forschung als Grundlage von Bedarfsanalysen und daraus resultierende Festlegung von Tätigkeitsfeldern und Handlungsstrategien.


Umsetzung
Baldmöglichst soll ein gleichberechtigtes, multikulturelles Team von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen mit zum Teil eigener Prostitutionserfahrung gebildet werden.
Die Grundlage unserer Arbeit ist ein ganzheitlicher, parteilicher und akzeptierender Ansatz. Zusammen mit den SexarbeiterInnen werden niedrigschwellige und bedürfnisorientierte Angebote entwickelt und etabliert, in regelmäßigen Abständen evaluiert und den sich verändernden Anforderungen und Rahmenbedingungen angepasst.
Die Bandbreite der Dienstleistungen und Handlungsstrategien trägt der besonderen Situation (migrierter) SexarbeiterInnen Rechnung.


Unser Service umfasst:
- Unterhalt einer Beratungsstelle
- Aufsuchende Arbeit an Orten der Prostitution
- Krisenintervention
- Ausbildung von kulturellen Mediatorinnen und peer-educators
- Einstiegsberatung und Umstiegsberatung
- Ausbau und Aufbau von Kontakten auf lokaler, regionaler, überregionaler und internationaler Ebene
- Mitarbeit in und Aufbau von fachbezogenen und fachübergreifenden Foren (zum Beispiel Fachtagungen, runde Tische)
- Hilfen zur Gesundheitsversorgung
- Gewaltprävention (zum Beispiel Workshops, Erstellung und Verteilung geeigneter Informationsmaterialien)
- Maßnahmen zur Stärkung des Selbstwertgefühls und Selbstbewusstseins von SexarbeiterInnen (Vermittlung von Kenntnissen über Rechte und Möglichkeiten und praktische Unterstützung bei deren Wahrung, Durchsetzung und Verbesserung; Professionalisierungsangebote)
- Gesamtgesellschaftliche und politische Einflussnahme (Veröffentlichungen, Veranstaltungen, Diskussionsforen, Referentinnentätigkeit)
- Forschung (zusammen) mit SexarbeiterInnen, Prostitutionskunden und ExpertInnen.